Was wir so machen: Gruppendiskussionen

Ein wertvoller Bestandteil der Marktforschung, die ich im Hauptberuf ja so betreibe, ist das Organisieren und Führen von Gruppendiskussionen. Man lädt sich seine Zielgruppe ein und beratscht mit denen stundenlang, was sie so denken, wie sie dieses oder jenes Produkt finden oder ob sie sich durch die langweilige Werbebotschaft besser angesprochen fühlen als von der noch langweiligeren. Die Vorbereitung solcher Gruppendiskussionen erfordert eine gewisse Zeit, die meist für das Erstellen eines geeigneten Fragebogens draufgeht. Denn leider leider leider wird mein Improvisationstalent bei derartigen Veranstaltungen von meinem Arbeitgeber in keiner Weise gewürdigt. Bloß weil sowas mehrere Euro kostet, sieht man es hier garnicht gerne, wenn man sich mit einem flotten „Na, was wollen wir denn heute machen?“ bei den Leuten vorstellt. Auch ein „Ich habe keine Ahnung, was ich noch fragen soll. Schlagen Sie doch mal was vor!“ sieht man eher mit Mißbilligung. Nun kann es aber auch passieren, dass der Fragebogen so umfangreich ist, dass man das Verfallsdatum der Befragten deutlich überschreiten würde. Auch man selber als Moderator möchte doch dann irgendwann mal zeitig nach Hause kommen. Man muss also entweder kürzen – oder einfach darauf beharren, dass man mal klar zeigt, wer der Herr der Diskussion ist. Dies kann man vortrefflich damit erreichen, in dem man den Personen einfach mal ins Wort fällt. Sätze wie „Das sagten Sie bereits.“, „Wen bitteschön soll DAS denn nun wieder interessieren?“, „Erzählen Sie das Ihrem Hund und nicht mir.“, ein forderndes „Jaja, schon gut, danke….“ oder ein leicht provozierendes „Hat noch jemand etwas derart unqualifiziertes zu sagen?“ helfen ebenso wie ein „*gähn*„…..was sagten Sie grade? Ach lassen Sie es, wenn Leute wie Sie etwas nochmal erklären wollen, wird es meist schlimmer…also NOCH schlimmer als beim ersten mal.“ Das führt zu einer für alle erfrischenden Abkürzung der Diskussion und zu Stille im Raum. Altbewährt ist auch die Einleitung einer Frage mit dem Satz „Bevor Sie nun antworten, denken Sie bitte dieses mal etwas besser nach, denn sonst kommt wieder so ein Schwachsinn bei raus wie bei der Frage, die Sie vorhin schon mehr als leidlich beantwortet haben.“ Sollte das alles nicht helfen, empfehle ich die Frage „Dauerts noch lange? Mein Auto hat nämlich nur noch eineinhalb Jahre TÜV.“ Das sollte dann reichen…Spätestens die nächsten Projekte übernimmt dann wieder der Kollege.

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