Was ich so mache

Hier zeigt sich, wie schön Blogs sind, kann ich doch endlich den ganzen alten Bettel, der seit Jahren in meinen Archiven schlummert, unters Volk bringen. Nun, hier ist eine dieser Stories.

Immer wieder bekomme ich die Frage zu hören. „Was macht Ihr den ganzen Tag auf der Arbeit?“
Nun, hierzu einige erläuternde Worte: Wir planen, wir reden, wir telefonieren und – wir meeten. Das ist dann das neudeutsche Wort für „Besprechung“. Und zu besprechen gibt es immer eine ganze Menge. Auch wenn das Gesprochene schnell verpufft und jeder dies nur als Mittel nutzt, den Tag rumzukriegen und bei der Gelegenheit vielleicht einen kostenlosen Orangensaft abzubekommen, die hin und wieder auf dem Tisch stehen. Das ist hier so. Das ist in anderen Ländern, in denen wir Büros haben, nicht anders.

Also haben sich unsere Kollegen aus dem Bereich Out Of Home (die machen alles im Werbeplakatbereich) aus Spanien heute per Mail zu einem Meeting verabredet. Dumm war nur, daß der Organisator die falsche Adresse eingetippt hat und so die Einladung nicht an alle Kollegen seiner Abteilung, sondern an alle Kollegen weltweit verschickte. Dumm auch, daß fast alle spanischen Kollegen mit „reply to all“ bestätigten, daß sie kommen können oder wollen, wohl in der Hoffnung, einen Orangensaft abzubekommen.

Einigen Kollegen weltweit fiel das auf und sie alle baten darum, aus dem Verteiler genommen zu werden.

Ein EDV-Kollege schaltet sich ein und erklärt, was passiert, wenn man „reply to all“ drückt. Und versendet dies an alle weltweit.

Es folgen mehrere spanische Mails mit Inhalten wie Jest pomylka … oder Creo que te has equivocado de persona. Darauf schreibt Kollegin Ilaria die verzweifelte Mail: please don’t reply to all but only to the sender. Mehrere Kollegen weltweit bestätigen, daß sie das auch so sehen.

Kollege Roberto findet das lustig und meint (an alle weltweit): We have received this mail from you. Should be a „finger mistake“ trying to send this email to other person?

Darauf äußert sich ein Kollege, es wäre besser, den Sasser-Virus von neulich nochmal zu verschicken, als dauernd diesen Müll zu bekommen. Bei der Gelegenheit grüßt er alle Kollegen in Europa und weltweit.

Kollege Matt aus London fleht verzweifelt: Stop, please stop (und schickt dies, wir ahnen es bereits, an alle weltweit).

Erste Kollegen aus Singapore verlieren die Nerven und möchten ihre Ruhe haben. Sie bitten darum, aus dem Verteiler genommen zu werden. Weitere Kollegen unterstützen dieses Ansinnen, indem sie ihren Unmut kundtun und ihn allen weltweit mitteilen.

Kollegin Alice Ng (die heißt wirklich so) ist auch recht mitteilsam:
Greetings to all from Hong Kong as well – but please stop sending this to us from now on.

Das Ansinnen verpufft, aber die Grüße werden europaweit begeistert aufgenommen, wie ich aus den zahlreichen Antworten schließen konnte.

Eine Kollegin aus Spanien äußert sich enthusiastisch: Hi there!!! Is nice to hear you all, by the way in Spain now is starting the „Feria de Abril“, a lot of party, drink, „sevillanas“ and nice weather, also you can have a lot of paella!!! Ah, and the Forum in Barcelona starting also this week, www.barcelona2004.org, nice meeting point, tell us if you are going to come, you’ll be very welcome. So , enjoy the e-mail, a media without frontiers!!!! Bye bye american pie!!!! Besos desde Barcelona to all!!
Thanks Todd for this wednesday beggining!! we are having so much fun!!!!

Eine Kollegin in Düsseldorf beschließt spontan, Urlaub in Barcelona zu buchen. Die Welt jubelt.

Das bringt die Kollegen aus Österreich auf den Plan, zu zeigen, daß sie auch schon wach sind und teilen der Welt mit: Hi to all of you out there, we are having so much fun with this global email conversation. We just thought we should take part. So have a nice day and all the best greetings from Austria!!!

Ein Kollege aus England hat auch seinen Spaß: we are having enormous fun too, and looking forward to a better UK performance in Eurovision this year!
Spain….. 10 points!

Kollegin Nina wollte dann aber nochmals auf den Veranstaltungstipp eingehen und schreibt an alle weltweit: Hi there! Sounds great in Barcelona!!!! Listen, if I get a couple of days off and a cheap flight to Barcelona, can I stay over in your place? :-))) Always look at the bright side of life…. Wish you all a great day!

Die Asiaten erweisen sich wieder einmal als Spielverderber und teilen Europa und der Welt mit: Singapore hopes you all have a good day and we are pleased to hear that you are all so happy – but please remove us from your email conversation.

Aufgrund des, wie wir zwischenzeitlich wissen, fantastischen Wetters in Spanien, sprechen sich einige begeisterte Kollegen dafür aus, den nächsten Workshop doch in Barcelona abzuhalten.

Jetzt beschweren sich einige Kollegen, daß die Spanier zum Teil Dinge in Spanisch schreiben bzw. im Anhang haben.

Kollegen Jon läßt ein Übersetzungsprogramm Spanisch in Englisch
drüberlaufen und stellt es allen weltweit zur Verfügung. Die einzelnen Worte ergaben Sinn, die Sätze als solche nicht.

Der Vorschlag, in Spanien ein Firmentreffen abzuhalten, wird von einigen Kollegen nur unter der Bedingung akzeptiert, daß Jon die Übersetzungen organisiert.

Nun mehren sich die Hilferufe, doch endlich still zu sein und diese Diskussion zu beenden. Unzählige Kollegen sehen das auch so und sprechen sich dafür aus, nicht mehr „reply to all“ zu drücken. Sie schicken diesen Geistesblitz an alle – weltweit.

Ein Kollege macht darauf aufmerksam, daß der CEO, fast alle Geschäftsführer und andere wichtige Leute gerade in Washington ein Meeting (wohl weil der O-Saft da besser sein soll) haben. Fast alle dort lassen sich ihre Mails auf ihre Smartphomes weiterleiten.

Es erfolgt begeisterter Jubel über diese technische Innovation und der Wunsch, daß jetzt endlich Ruhe sein soll.

Ein Kollege der EDV aus Bad Sonstwo erklärt, was passiert, wenn man auf „reply to all“ drückt. Auch er versendet dies weltweit, damits auch jeder weiß.

Die Franzosen machen dem Spuk ein Ende – mit einer Mail an alle weltweit: If anybody is responding to the mail, please DO NOT REPLY TO ALL because we are now receiving over 100 of these mails.

DAS machen wir den ganzen Tag. Noch Fragen??
Aber: Bitte nich an alle antworten!

3 Antworten zu “Was ich so mache”

  1. Phil sagt:

    Herrlich so etwas 🙂
    Während meinem Studium gabs auch Studenten, die haben ALLEN Studenten, inkl. denen die an einem anderen Standort ihr studium hatten, geschrieben: „Ich vermisse meinen Taschenrechner, falls ihn jemand gesehen hat, bitte melden“
    Und dann gabs dann die, die auf „Allen Antworten“ geklickt haben und schrieben „Sorry, hab deinen Taschenrechner nicht gesehen“…. und da ging es dann los…

  2. Martina sagt:

    Danke, Markus. Das ist echt ne gute Lachnummer. Passiert wohl in allen großen Firmen von Zeit zu Zeit. Ich bin da auch schon 2x durchgelitten. Wohlgemerkt: ich habe NICHT an alle geantwortet, ich hab die mails einfach nur in einen extra Folder gepackt und nach 1 Woche gelöscht. Die ganze (Firmen-) Welt hat darüber gelacht und darüber gesprochen. Ich glaube kaum, daß die Leute, die sowas machen zu blöde sind, vermute eher das ist pure Absicht. Auf alle Fälle hast Du die Story sehr schön festgehalten. Danke auf fürs Schicken von Deinem Blog. Hoffe das geht jetzt nicht AN ALLE…..

  3. Marco sagt:

    Haha. Dieser Eintrag ist wirklich sehr witzig. Bin per Pottwalblog auf deinem
    Blog gelandet. Gruss Marco