Zweideutige Festtage woanders

Gut zugegeben….für einen nicht-westlich geprägten Menschen mag es bisweilen sonderbar anmuten, wenn zur kalten Jahreszeit Zauselgreise mit Rauschebart in roten Kitteln kleinen Kindern nachjagen und sinngemäß so etwas brabbeln wie „Ich hole meine Rute raus!“. Und auch die Vorstellung, ein Hase verteile Eier mag jedem halbwegs biologisch wissenden Individuum ziemlich grotesk vorkommen. Aber auch anderswo gibt es Sitten und Gebräuche, die uns seltsam anmuten. So wurden wir als Japanisch-Lernende gestern mit dem Festtag des „shichi go san“ konfrontiert. Was passiert dabei? Kleine Kinder werden geschminkt und auf die Straße geschickt. Spätestens das dürfte Kinderschützer auf den Plan rufen. Aber es wird noch schlimmer: Laut unserer Lehrerin bekommen die Kids von Erwachsenen lange, 15 Zentimeter lange harte Stangen, die sie sich in den Mund stecken. Es mag sich entrüsten wer mag: Ich konnte mir nur schwer verkneifen, lauthals vor Lachen loszubrüllen. Die harten Stangen, in weiß und pink und nicht in dunklen Farben erhältlich, bestehen übrigens aus Zucker- bzw. Bonbonmasse. Der Zweck des Festes ist es, die lieben Kleinen zu einem Shinto-Schrein zu schleifen und dort um ein langes Leben zu bitten. Gut….die Zähne gehen in DEM Alter ja nochmal in die zweite Runde, sonst würde ich sagen: Ein Fest der Zahnärzte.

Eine Antwort zu “Zweideutige Festtage woanders”

  1. Peter sagt:

    Heute war ich im LOOP 5 in Weiterstadt. Neben vielen Wiederholungen im Angebot (z.B. 5 Deko-/Geschenkläden, 4 Asia-Imbissen und unzähligen Modegeschäften), konnte ich feststellen, dass auch hier 753 kein Fremdwort ist. Wie sonst ist zu erklären, dass 2 kleine Kinder sich bei Starbucks ca. 15cm lange harte Stangen in den Mund schoben? Auch wenn an der Farbe (rot-weiß-gestreift) und der Schminke noch gearbeitet werden muss, auch ein Kimono war eher nicht vorhanden, ist doch zu sehen, wie sich langsam fernöstliche Feiertage auch bei uns breit machen. Jedenfalls werde ich bei meinem Chef schon mal den freien Tag beantragen. Ach ja, es wird noch diskutiert, ob Starbucks als Schrein gelten kann. Ich denke schon, denn so wie er von Reisenden in aller Welt mit Jauchzen ge- und besucht und wie dort fleißig gespendet wird, sind die Kriterien doch erfüllt. P.S. eine Zahnarzt habe ich im LOOP 5 nicht finden können.