Von einem, der auszog, …

…irgendwann einmal Rente zu beziehen.

Ein Märchen – Oder Philosophie – Oder dummes Geschwätz?! Entscheide
selbst…

Die nun folgenden Aussagen beruhen auf wahren Begebenheiten. Sie mögen dramaturgisch aufbereitet sein, enstprechen aber den Tatsachen. Unwahr ist lediglich die folgende Aussage: „Die Renten sind sicher“.

Es war einmal hinter den Bergen bei den sieben Arbeitsministern einer, der sich besonders hervortat, täglich fleissig ackerte und voller Optimismus in den Tag blicken konnte, denn: Seine Rente mag sicher sein, aber der Rest ist inzwischen pure Illusion, eine Phantasmagorie aus besseren Tagen, die so soviel besser nie waren.
Wie gesagt: Es war einmal…Was waren das doch für Zeiten, als wir wohlbehütet heranwuchsen, beschützt durch Eltern, Verwandte (bzw. deren Geldsegen an Kommunion, Geburtstagen und Weihnachten) und ein soziales Umfeld, in dem Raider noch Raider war und man bei Persil wußte, was man hat. Die Schulzeit war eine schöne Zeit und keiner hätte so recht gegalubt, daß es mal viel schlimmer werden könnte, als eine „3“ in Mathe zu haben.
Dachten wir. Dann wurden wir in die schnöde Berufswelt entlassen und mußten uns durchs Leben schlagen. Der Traum vom Porsche als Zweitwagen zerplatzte. Schnell wurden wir damit konfrontiert: „Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not.“ was aber letztlich nichts anderes bedeutet, als „Spare besser immer, denn Not ist allenthalben“. Die Not am Mann, die Not-Durft, die soziale Not und auch das Wort Notwendigkeit kommt ja wohl letztlich auch von „Not“. Oder die Not im Alter. Das Schlagwort unserer Generation. Rentenlücke, Versorgungsengpass und was weiß ich nicht alles. Die Pershings sind weg, aber sicherer leben wir deswegen nicht. Und schon garnicht im Alter, denn: Die Renten sind nicht sicher. Wahrscheinlich hat sich der geneigte Leser irgednwann ab Zeile zwei oder früher gefragt, was diese junge dynamische und erfolglose Studienabgängergestalt hier aussagen will. Nun, die Frage ist berechtigt und schnell beantwortet: Die Illusion nehmen, die Schulzeit sei einfach nur dazu da, um fürs Leben zu lernen. Irrtum! Aber dazu später mehr. Was also tun, um fürs Alter vorzusorgen? Bausparverträge, Lebens- und Rentenvericherungen oder Aktienfonds? Alles mehr oder weniger geeignet, den Lebensabend zu bestreiten. Und dann gibt es da noch die staatliche Rente. Alt, behäbig, ein System, das sich längst überholt zu haben scheint. Und trotzdem: Probieren kann mans ja mal, denn: Auch hier läßt sich das Optimum herausholen. Die Sache hat einen Haken: Man muß sich selbst darum kümmern und Studien- und höhere Schulabschlüsse sellbst nachweisen. Dem Rat eines Kollegen folgend tat ich das auch, nichts ahnend, was auf mich zukommen würde. Das war im Sommer 2003. Ich reichte also einen Lebenslauf ein, mein Abiturszeugnis, meine IHK-Prüfungsurkunde (man will ja auf Vollständigkeit bedacht sein. So macht man das eben als guter Deutscher. Jawoll!), meine Exmatrikulationsbescheinigung (mit den Daten von Studienanfang und -ende) und die Magisterurkunde. Alles in Kopie versteht sich. Marke drauf, ab nach Berlin zur BfA, der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte. Im Herbst 2003 erhielt ich dann ein Schreiben, daß die BfA mein Anliegen geprüft hätte, es aber dann doch noch einige Fragen bzgl. diverser Termine gäbe und daß ich bitte erklären solle, was ich im September 1995 und in der Zeit von 7/1997 bis 4/2002 getan hätte. Dabei lag ein Bündel unübersichtlicher Formblätter mit dem unsäglichen Titel „V 510“, in denen ich das bitte alles im Detail aufschlüsseln solle. Wann ich wo gerabeitet hatte, wie lange der Weg zur Arbeit oder zur Ausbildungsstelle war, wie lange ich meinen Lernstoff nachbearbeitet hätte und wieviel Stunden ich gearbeitet hätte. Dumm nur, daß die richtige Antwort auf die beiden gewünschten Zeiträume eben nicht auf in dieses Formblatt paßt, weil sie die ist: Im September 1995 habe ich meinen ganzen Resturlaub im Zivieldienst genommen, um das Studium beginnen zu können, weswegen eine doppelte  Anrechung wohl entfällt und von 7/1997  an habe ich als studentische Hilfskraft bis 12/2001 gearbeitet. Seit 1/2002 bin ich fest angestellt und war nur noch deswegen an der Uni eingeschrieben, weil meine Magisterarbeit noch nicht korrigiert war. Kein Problem dachte ich mir. Schreibe ich es eben in Briefform in ganzen Sätzen. Marke drauf und ab an die BfA, dem Blödamt für Arme. Eine tolle Idee! Dachte ich. Denn offenbar mag man es dort garnicht, wenn man ihnen in ganzen Sätzen und auch noch ohne Zurücksendung des besagten betagten Formblattes V 510  (V steht wohl für Vormular oder Vormblatt) antwortet. Einige Wochen später bekam ich Post vonder BfA, dem Baldigen Finanziellen Abgesang. Inhalt: Ein Schreiben, dessen Inhalt ich allerdings schon einige Wochen zuvor gelesen hatte und besagtes Formblatt V 510. Immerhin wareen Angaben über die Zeit des Zivildienstes nicht mehr erwünscht. Dafür bat man mich höflich, doch endlich besagtes Formular für die Zeit ab 1997 auszufüllen. Ein unguter Gedanke beschlich mich: Ich hatte doch immer mal wieder eine Viertelstunde mehr oder weniger gearbeitet. Was, wenn ich jetzt jede blöde Woche nachweisen muß? Nein, das kann nicht sein, dachte ich. Aber trotzdem….wir reden hier von …nein, nicht von Menschen…wir reden von Wesen der BfA, der Behörde für Analphabeten, die nicht in ganzen Sätzen, sondern in Formblättern antworten. Also habe ich erstmal gegrübelt und darüber die Zeit vergessen. Schon knappe 14 Tage später (bei einem Amt ein absoluter Rekordwert, wie ich finde), es war kurz vor Weihnachten, lag in meinem Briefkasten…nein, keine Weihnachtskarte (denn davon habe ich auch letztes Jahr viel zu wenige bekommen), ein Anschreiben der BfA, in dem ich freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen wurde, doch endlich mal das Schreiben und vor allem Formblatt V 510 zu beantworten. Panik! Entsetzen!! Ein Angriff seitens des Amtes! Eine Breitseite auf meine sicher geglaubte Rente! Was jetzt? Drohen sie mit Rentenverlust? Gefängnis? Was, wenn ich dann auch noch die Gefängniszeiten für die Rente nachweisen muß? Also habe ich mir kurzentschlossen den ekelhaftesten Edding geschnappt, den ich finden konnte, und in besagtes Formblatt alle Daten reingeschmiert. Mit -zig Verweisen, Sternchen hier und Kreuzchen da. Sah aus wie Sau….Aber was solls. Ich habs eh nur unpersönlich zurückgefaxt. Seither war Ruhe….Genau eine Woche lang…Dann kam Post. Der Inhalt? Ein Schreiben, dessen Inhalt immer gleich ist. Jetzt wollen sie wissen, wann ich eingeschult wurde. Noch überlege ich, ob ich einfach ein Bild meines ersten Schultages mitschicken soll. Ich mit Schultüte. Oder eine Stück Schokolade aus der Schultüte (*gammel*).  Es würde nichts nützen. Denn ganz unten lag auch das besagte Formblatt V 510 wieder dabei.Und da sind Bildchen nicht vorgesehen. Sie würden sowieso anzweifeln, daß das wirklich ich bin. Und mir wieder Formblatt V 510 schicken. Und meinen Eltern bestimmt auch. Denn jetzt ist es amtlich: Der Kampf geht weiter: Mensch gegen Un-Mensch, Bürger gegen BfA. Der Kampf um jeden Cent Rente hat gerade erst begonnen! In jedem Fall aber wird mir seither bewußt, daß wir nie wirklich frei waren. Das Bild der unbeschwerten Kindheit in der Schule: Eine Illusion!
Die BfA, das Betätigungsfeld für Ausgerastete, hatte uns vom ersten Tag an in den Klauen. Und wir werden nicht mehr frei bis ans Ende unserer Tage. Und wenn nichts mehr Bestand hat und alles in Trümmern liegt, dann weht irgendwo Formblatt V 510 über die Ruinen.

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