Was wir so machen: MOLM

Wir sind ein internationales Unternehmen. Schön. Damit aber nicht pausenlos Reisekosten anfallen, wenn uns mal irgendein Hansel aus Sankt Sonstwhere was zu sagen hat, hat die große Firma Microsoft das tolle Ding mit Namen MOLM entwickelt. Das steht für „Microsoft Office Live Meeting“. Das hört sich in der Theorie gut an. Man schaltet sich einfach online zusammen und palavert virtuell. Heute durfte ich für eine Schulung endlich erstmals an einem MOLM teilnehmen und was soll ich sagen? Wie also muss man sich vorstellen, wenn wir zusammen molmen? Man beauftragt pro Büro einen armen Irren, der tagelang nichts anderes macht, als das MOLM-Programm auf einem Notebook/PC installieren zu lassen und irgendwelchen Kram zu koordinieren, von dem man später ohnehin nichts merkt. Dann kommt der große Tag. Man trifft sich mit einer x-beliebigen Anzahl Menschen in einem x-beliebigen Raum, der vorher von besagtem Laufburschen hergerichtet wurde. In andächtiger Ruhe versammelt man sich um eine sogenannte Telefonspinne und lauscht wie einst Moses dem brennenden Dornenbusch andächtig den sphärischen Klängen, die da aus der Telefonspinne ertönen. Keiner traut sich, mehr als einen Satz zu sprechen, und wenn, dann nur sehr leise, will man doch das unbekannte Wesen, das in diesem Fall auch noch aus UK kommt, mit irgendwelchen Sätzen verwirren oder gar verärgern. Dann ist es endlich so weit: Die Stimme eines übernatürlichen Wesens des Moderators, der auf den Namen Allan hört, erklingt. Minutenlang folgen dann denkwürdige Dialoge wie „Hello, are you there?“ oder „Where is Jessica? I can’t find Jessica.“ Me too. Scheint wohl eine Nebengöttin jemand anderes zu sein. Wenn denn alles schief geht, kann man die Teilnehmer per „Private Chat“ antickern. Und damit keiner verloren geht, kann auch jeder diesen „Private Chat“ sehen. Sehr clever! Nach rund zwanzig Minuten hat das Überwesen all seine Schäfchen eingesammelt, um diese an den diversen Systemabstürzen teilhaben zu lassen oder ihnen einfach zu demonstrieren, dass ER / SIE /ES wohl allein durch Willenskraft in der Lage ist, einen Mousezeiger mit hackigen Bewegungen über den Bildschirm zittern zu lassen. Großartig! Die Masse schweigt in andächtiger Stille und folgt mit ehrfürchtigem Blick dem Zitterzeiger, den Wackelbildern oder starrt einfach nur andächtig auf die Telefonspinne. Aber wie jede gute Show ist auch diese Andacht irgendwann zu Ende. Statt mit einem Lied verabschiedet man sich mit der frohen Botschaft, dieses Ereignis bei Bedarf gerne nochmal zelebrieren zu können. Ich bin immer noch hin und weg und schwebe in transzendenten Spähren. MOLM…““Meeting Ohne Langes Maulen“….“Mümmelnde Offstimme  Leiert Müll“…oder doch eher „Murxiges OnLine Meeting“? Trotzdem…die Masse verlangte nach mehr. „Allan, how can we reach you?“ wollte eine gläubige Jüngerin wissen. DAS ist ja nun einfach. Bei jedem Mailprogramm gibt es einen Button, auf dem steht „Allan antworten“.

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