Fußball, Journalismus und der Ball-Lack

Als ob mir als völlig Fußball-Desintressiertem nicht schon der ultimative Horror-Schocker bevorstehen würde: Die Fußball-Welt-EM in Südasien, -afrika…wo auch immer. Wobei Asien den Vorteil hätte, dass zumindest die Zeitverschiebung derart groß wäre, dass man tagsüber wenigstens seine Ruhe hätte. Nein, jetzt muss auch noch irgendein Fußballer sich Aua am Fuß machen, weswegen er wohl nicht mit kann. Also, als meine über 90jährige Oma einen Oberschenkelhalsbruch hatte, hat sie tapfer die zweiten und dritten Zähne zusammengebissen und wurde wieder gesund. Und was macht Deutschland? Soooofooort, als ob Wohl und Wehe der Welt von den Haxen eines Sportlers abhängen würde, werden Sondersendungen veranlaßt. Das Erste, das Zweite, das Dritte berichten. Für mich das Letzte. Und weil so eine angebröselte Latschenkiefer nun nicht wirklich Nachrichtenwert hat, suchen die Medien am Tag 2 nach dem Knöchelknix nun nach Themen, das Ganze weiter irgendwie auf die Agenda zu wuchten. Heute war bei einem bundeslandweiten Radiosender zum Wachwerden DAS Top-Thema: Spieler XY entschuldigt sich bei Ball-Sack, weil er ihm auf den Fuß gelatscht ist. Doch auch diese Meldung von heute früh ist längst Schnee von gestern. Jetzt kündigt die öffentlich-rechtliche Konkurrenz an: „Gleich bei uns! Wir reden mit dem Mann, der Prallsack gestern aus der Klinik abgeholt hat! Gleich bei uns! Ein Taxifahrer aus München.“ Wie dämlich muss es denn noch werden? Und was kommt, wenn wir den Gipsverband zu Tode fotografiert haben, die Oma des Parkwächters vom Dackel, der mal auf den Rasen gerödelt hat, auf dem Ballack dann doch nicht gespielt hat, interviewt wurde und der Autoreifen vom Taxifahrer hinter dem Tagxifahrer, der Ballack dann gefahren hat, nach seinem Befinden befragt wurde (O-Ton: „Da biste platt!“)? Was kommt dann? „WM in Gefahr! Wetter in Südafrika ist dort wärmer als hier!“ oder „Bohnen zum Frühstück! Wann lässt Jogkurts Löbs Truppe einen Heim fahren?“ Ich sehe schon, mir stehen grausame Zeiten bevor…

Eine Antwort zu “Fußball, Journalismus und der Ball-Lack”

  1. Peter sagt:

    Was ist Fußball?