Das merkwürdige Duschverhalten geschlechtsreifer Großstädter, Teil 3

Gestern begegnete mir im Sportstudio wieder eine seltsame Dusch-Spezies: Der Brüllduscher. Dieses putzige Exemplar zeichnet sich dadurch aus, dass es nichts, aber auch wirklich rein garnichts leise machen kann. Bereits das Ende des Sportkurses, wo dieser Artgenosse sein Revier aufgeschlagen hat und den Kurs stets mit seinen Kommentaren wie „UUUUH SCHWER, DAS GEWICHT!!!!“ oder „HEIEIEIIIIII!“ untermalt, lässt Schlimmes erahnen, wenn er sich mit einem schreienden „JA ALSO TSCHÜSS DANN!“ verabschiedet, um diese Art der lautstarken Konversation in der Umkleide fortzusetzen. Was auch immer er mitteilt: Der Adressat seiner fröhlichen Brüllerei ist unklar, denn es könnte praktisch jeder innerhalb der Umkleide, des Sportstudios oder auch des Stadtteils sein. Unter der Dusche gehen dann diesem kleinen Wüterich zwar die Gesprächspartner, nicht aber die Themen aus. So wird dann lautstark ins Nichts hineinphilisophiert, dass das Wasser heute wieder sehr nass, kalt oder warm sei und diese Gefühlsregung wird dann noch mit Geräuschen und Worten wie „WAAAAAAAAAAAAAH!!!!“, „HUIUIUIIII!“, „UUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUH“ oder einem philisophisch-angehauchten „JAAAA JAAAAA!!!!“ kommentiert. Jede noch so kleine Gelegenheit wird nicht ungenutzt gelassen, um lauthals zu zeigen, dass man auch noch da ist. Regelmäßige Furz-Geräusche aus der Duschgel-Tube unterstreichen die akkustische Markierung der Reviers ebenso wie lautes Aufstampfen mit dem Fuß oder der beherzte Schlag auf die Duschamaturen. Einher geht das natürliche Verhalten des Brüllduschers stets mit ausladenden Bewegungen, die jedem fremden Artgenossen unmißverständlich klarmachen „Hier bin ICH und Du kommst hier nicht her!“. Stille oder auch eine zurückhaltende Gestik ist dem Brüllduscher ebenso fremd wie das Wissen, dass es nicht jeder wissen will, wie sehr der Brüllduscher das letzte Mal doch in der Sauna im eigenen Saft saß.

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